Kettenbriefe – Nervige Spielerei oder gefährliches Sicherheitsrisiko?

Kettenbriefe – Nervige Spielerei oder gefährliches Sicherheitsrisiko?

Jeder kennt Kettenbriefe. Sie kursieren bereits seit Jahren per E-Mail, auf Messenger-Diensten und immer öfter auch über Social-Media-Plattformen. Die meisten dieser Nachrichten sind lediglich nervig, einige wenige hingegen hoch gefährlich. Aber warum funktionieren Kettenbriefe eigentlich so gut? Wieso werden sie überhaupt verschickt? Und wie können Sie sich vor ihnen schützen? Diese und andere Fragen klären wir in unserem FAQ.

Was sind Kettenbriefe und warum verbreiten sie sich so schnell?

Kettenbriefe sind im Kern Nachrichten, die häufig weitergeleitet werden sollen. Die Ersteller zielen daher speziell darauf ab, Leser der Nachricht dazu zu bringen, sie auch an Freunde und Bekannte zu senden. Dafür enthalten Kettenbriefe oft eine Mischung aus Belohnungen und Drohungen: Wer die Nachricht weiterleitet, erhalte etwas Gutes, und wer die Nachricht ignoriert, müsse mit teils schweren Konsequenzen rechnen. Sowohl Drohung als auch Belohnung sind in den meisten Fällen aber glücklicherweise nicht real.

Durch das sogenannte Schneeball-Prinzip erreichen Kettenbriefe schnell ein sehr großes Publikum. Ein kleines Beispiel: Ein Kettenbrief wird an zehn Personen geschickt, die ihn erneut an jeweils zehn Nutzer weiterleiten, welche ihn wiederum an je zehn Personen schicken, und so weiter. Schon nach fünf solcher Wiederholungen hat die Nachrichten 100.000 Personen erreicht. Die Nachricht verbreitet sich also exponentiell weiter. Diese Kombination aus Anreizen zum Teilen und dem Schneeball-Prinzip ermöglicht es Kettenbriefen, innerhalb kürzester Zeit eine riesige Anzahl von Nutzern zu erreichen.


Wo und in welchen Formen können Kettenbriefe auftreten?

Prinzipiell können Kettenbriefe in jeder Form auftreten. Daher sind sie auch kein neues Phänomen: Kettenbriefe wurden bereits per Post verschickt, auch wenn ihre Verbreitung zu diesen Zeiten deutlich langsamer und mühseliger war.

Durch technische Neuerungen hat sich das allerdings verändert: Kettenbriefe können mithilfe von SMS oder E-Mails über das Internet viel schneller und kostengünstiger als bisher weitergeleitet werden. Erstmals können dabei neben Texten auch Medien in großem Stil verbreitet werden – zum Beispiel Fotos oder Videos. Nachrichten können zudem Links angefügt werden, die zu einer externen Website führen.

Weitere Popularität gewannen Kettenbriefe durch die Durchsetzung von Messenger-Diensten und sozialen Netzwerken wie WhatsApp, Telegram, Instagram und Co. Über die „Weiterleiten“-Funktion der Apps können Nachrichten in Sekundenschnelle mit mehreren Kontakten geteilt werden. Der Aufwand und damit die Hemmschwelle, einen Kettenbrief zu verbreiten, ist dadurch gesunken. Neben klassischen Text-, Bild- oder Video-Nachrichten werden über die Messenger auch Sprachnachrichten, GIFs oder ähnliche Medien als Kettenbriefe versendet.


Was sind die bekanntesten Kettenbriefe?

Beispiele für Kettenbriefe gibt es viele. Wir haben in der folgenden Bildergalerie einige zusammengestellt, die in den vergangenen Jahren unter anderem über WhatsApp verbreitet wurden.

In vielen Fällen enthalten Kettenbriefe nur harmlose Spiele.


Wer verschickt Kettenbriefe? Und sind Kettenbriefe gefährlich?

Einen Kettenbrief kann prinzipiell jeder verschicken. Aus diesem Grund gibt es eine Vielzahl verschiedener Ersteller mit unterschiedlichen Absichten.

Viele Kettenbriefe verfolgen keine schadhaften Absichten. Häufig sind zum Beispiel „Spiele“ in Kettenbriefen zu finden, die lediglich unterhalten sollen und niemandem schaden. Auch lustige Texte oder Bilder werden oft ohne negative Intention verbreitet. Seltener werden Kettenbriefe auch genutzt, um auf eine Veranstaltung oder eine soziale Bewegung hinzuweisen.

Drohungen

Doch nicht alle Kettenbriefe verfolgen gute Absichten. Es gibt Nachrichten, die dem Empfänger mit dramatischen – und oft sehr unrealistischen – Konsequenzen drohen. Man solle eine Nachricht beispielsweise weiterleiten, sonst werde man in der nächsten Nacht auf brutale Weise umgebracht. Auch wenn diese Nachrichten beim ersten Durchlesen zunächst schocken können, sind sie in den allermeisten Fällen harmlos, denn Taten folgen auf die Worte nie.

Phishing

Anders sieht das bei Kettenbriefen mit tatsächlich betrügerischem Hintergrund aus. Auch Kriminelle haben das Verbreitungspotential von Kettenbriefen erkannt und nutzen sie seit Langem für ihre Zwecke. Häufigste Form ist das sogenannte Phishing. Ziel dabei ist es, Zugangsdaten zu Internetangeboten wie Social-Media-Plattformen oder Online-Banking-Systemen zu erbeuten. Dafür werden Leser dazu verleitet, auf einen Link zu klicken. Dieser leitet sie auf eine Website, die stark an die offizielle Website des jeweiligen Anbieters erinnert. Die Betrüger speichern alle Anmeldeinformationen, die auf dieser Website eingegeben werden, und übernehmen anschließend die zugehörigen Konten. Weitere Informationen zu Phishing-Nachrichten und wie Sie sich gegen diese schützen können, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Abzocke

Teilweise probieren Ersteller von Kettenbriefen allerdings auch, Nutzer direkt um Geld zu betrügen. Häufiges Mittel hierzu ist beispielsweise ein gefälschter Spendenaufruf, oft mit dramatischen und mitleiderregenden Beschreibungen des Spendenzwecks. Auch sogenannte „Make-Money-Fast“-Maschen werden verwendet. Unter dem Versprechen, zu einem späteren Zeitpunkt mehr Geld zurückzuerhalten, sollen Leser eines Kettenbriefs eine bestimmte Summe an ein Bankkonto oder einen PayPal-Account senden. In beiden Fällen handelt es sich aber natürlich um einen Betrug und die Ersteller des Kettenbriefs stecken sich das Geld in die eigene Tasche.

Schadsoftware

Besonders bei E-Mails wird oft auch Schadsoftware in Kettenbriefen mitgesendet. Diese installieren beim Ausführen Viren, Trojaner oder Würmer auf Ihrem Computer, die etwa Ihre Festplatte sperren. Ihre Daten erhalten Sie dann erst gegen eine Lösegeldforderung wieder zurück.

Falschinformationen

Großes Problem insbesondere auf Messengern und Social-Media-Plattformen sind in den letzten Jahren Falschinformationen. Diese werden oft zu aktuellen Themen versendet und enthalten vermeintlich unbekannte Informationen, die schnell möglichst viele Nutzer erreichen sollen. Diese Nachrichten sollen aber vor allem Verunsicherung streuen und z.B. das Vertrauen in staatliche Institutionen oder die Medizin untergraben. In letzter Zeit kursierten zudem viele Falschinformationen rund um den Krieg in der Ukraine. Wie Sie solche Fake-News enttarnen können, erklären wir Ihnen in diesem Beitrag.


Wie erkenne ich einen Kettenbrief?

Auch wenn Kettenbriefe immer ausgefeilter werden, lassen sie sich nach wie vor oft an einigen zentralen Punkten erkennen:

Achten Sie zunächst auf den Inhalt der Nachricht. Kettenbriefe leben davon, dass sie weitergeleitet werden. Daher enthalten sie teils drastische Formulierungen, um ihre Leser zum Teilen der Nachrichten aufzufordern. Werden Sie insbesondere stutzig, wenn der Kettenbrief angebliche Belohnungen für das Teilen verspricht und/oder schwere Konsequenzen androht, wenn Sie die Nachricht nicht verbreiten.

Weiteres Indiz kann die Sprache sein. Besonders bei Phishing-Versuchen geben die Ersteller der Kettenbriefe vor, der Anbieter für ein (Internet-)Angebot zu sein. Die tatsächlichen Anbieter würden in einer Nachricht (so gut wie) keine Schreibfehler platzieren, Kettenbriefe sind aber oft voll davon. Achten Sie daher auf Rechtschreib- und Grammatikfehler sowie ungewöhnliche Formulierungen – diese können Hinweise auf einen unseriösen Kettenbrief sein.

Tipp: Weitere Tipps, wie Sie sich gegen betrügerische Nachrichten wehren können, erfahren Sie in diesem heise+ Artikel.

In einigen Messengern wird mittlerweile direkt angezeigt, wenn eine Nachricht schon häufig weitergeleitet wird. Bei WhatsApp erhält eine einmal geteilte Nachricht etwa die Markierung „Weitergeleitet“; sobald eine Nachricht mehr als fünfmal geteilt wurde, wird sie als „Häufig weitergeleitet“ markiert. Insbesondere letzteres kann ein Indiz für einen Kettenbrief sein. Behandeln Sie solche Nachrichten unbedingt mit Vorsicht.

WhatsApp häufig weitergeleitete Sprachnachricht

WhatsApp häufig weitergeleitete Sprachnachricht

WhatsApp markiert Nachrichten mit „Häufig weitergeleitet“, wenn sie mehr als fünf mal über den Messenger geteilt wurden.

Wenn Sie unsicher sind, ob es sich bei einer Nachricht um einen Kettenbrief handelt, finden Sie oft im Internet eine Antwort: Geben Sie die zentralen Punkte aus der Nachricht einfach in einer Suchmaschine ein. Wenn es sich dabei um einen Kettenbrief handelt, finden Sie dann häufig Hinweise darauf. Zudem gibt es eine Reihe von Websites, die über derzeit kursierende Kettenbriefe aufklären. Dort finden Sie u.U. die Masche, die der fraglichen Nachricht verwendet wird. Wir können besonders folgende Seiten empfehlen:


Was sollte ich tun, wenn ich einen Kettenbrief erhalte?

Wenn Sie einen Kettenbrief erhalten, müssen Sie sich zunächst einmal keine Sorgen machen. Die Nachricht an sich ist in den meisten Fällen nämlich nicht gefährlich für Sie oder Ihr Gerät.

Aufpassen müssen Sie aber unbedingt bei allem, was an die Nachricht angefügt ist: Wenn Sie nicht genau wissen, woher oder von wem eine Nachricht stammt, öffnen Sie auf keinen Fall Links aus der Nachricht. Diese können unter Umständen zu Websites führen, die Ihnen Zugangsdaten zu Internet-Accounts klauen oder die Schadsoftware auf Ihren Computer laden sollen. Auch Dateien, die an die Nachricht angehängt sind, können schadhafte Programme enthalten. Öffnen Sie diese daher nicht, wenn Sie den Ersteller der Nachricht nicht kennen. Besonders vorsichtig müssen Sie bei Dateien mit den Endungen .exe, .bat, .com, .dmg oder .app sein. Auch bei Office-Dateien (also .docx, .pptx oder .xlsx) sollten Sie Vorsicht walten lassen, da diese schädliche Makros enthalten können.

Wenn Sie vermuten, dass es sich bei einer Nachricht um einen Kettenbrief handelt, sollten Sie sie ihn auf keinen Fall weiterleiten. Beinhaltet der Brief eine Drohung, kann das Weiterleiten sogar strafbar sein.

Wenn Sie wissen, wer Ihnen den Kettenbrief weitergeleitet hat, informieren Sie die Person am besten, dass es sich hierbei um einen Kettenbrief handelt. Warnen Sie ihn ggf. vor schadhaften Links oder Dateien. Empfehlen Sie außerdem freundlich, Kettenbriefe wie diese nicht weiterzuleiten, um andere Nutzer zu schützen.

Wenn Ihnen der Absender allerdings unbekannt ist, blockieren Sie ihn. Das funktioniert je nach Programm oder App immer etwas anders:

Außerdem kann es sich lohnen, unbekannte Absender zu melden – besonders auf Messengern und Social-Media-Plattformen. Das jeweilige Konto wird dann geprüft und ggf. gelöscht. Auch das funktioniert von App zu App etwas unterschiedlich:


(anka)

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